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grandMA3 als Herzstück des ESC 2026 Lichtdesigns

Ein Einblick in die technische Umsetzung, die den Eurovision Song Contest in Wien strahlen ließ – mit MA Lighting und Martin

Der Eurovision Song Contest 2026 fand als 70. Ausgabe des legendären Wettbewerbs in der Wiener Stadthalle statt. Mehr als 97.000 Besucher erlebten die insgesamt neun Shows vor Ort. 131 Millionen Menschen weltweit schauten im Fernsehen oder via Livestream zu.

Der Eurovision Song Contest ist musikalischer Wettbewerb, Live-Entertainment, internationale TV-Produktion im Giga-Format und technisches Ausnahmeprojekt in einem. Beim ESC 2026 in Wien spiegelten sich Format und Anspruch unter anderem im Lichtdesign und seiner Programmierung wider: 198.039 Parameter, 25.466 Cues, 114.072 Timecode-Events und ein Showlight und Keylight umfassendes 1,37 GB großes Showfile beschreiben nur ansatzweise die Dimension dieses Systems – ausgelegt auf maximale Präzision, flexible Anpassungen und vollständige Teamfähigkeit.

Gesteuert und programmiert wurde die Show der Superlative auf einem grandMA3 System von MA Lighting. Ergänzt wurde das Setup durch eine umfangreiche Pre-Viz-Umgebung, mehrere Programming- und Operating Stations, Roaming Stations sowie ein groß dimensioniertes Processing-System für die Show und die gesamte Vorvisualisierung. Aus dem Lightpower-Portfolio waren im Rigg zudem zahlreiche Scheinwerfer von Martin Professional zu finden: 80 Martin MAC Viper XIP gehörten zum Showlight-System, während für das Keylight zusätzlich 46 Martin MAC Encore Two zum Einsatz kamen.

 

Das Team hinter dem Licht

Lighting Designer des ESC 2026 war erneut Tim Routledge, das Bühnenbild stammte von Florian Wieder. Als Associate Lighting Designer zeichneten James Scott und Morgan Evans verantwortlich. Die Showlight-Programmierung lag bei Alex Mildenhall, Martin Higgins, Olly Martin und Manfred Nikitser; das Keylight programmierte Marc Nicholson, das Calling der Follow-Spots verantwortete Louisa Smurthwaite. Unterstützt wurde das Team vom MA Tech Support. 

 

Programmieren im Schichtbetrieb: Effizienz durch Kollaboration

„Wir arbeiteten vor Ort in zwei Schichten, um so effizient wie möglich zu sein“, sagt Manfred Nikitser rückblickend. „Je nach Produktionswoche hat sich das immer etwas verändert.“

Nach der Systemübergabe arbeiteten zunächst vier Programmierer parallel daran, möglichst viel einzuleuchten und die relevanten Teile des Systems in XYZ zu kalibrieren. Dieser Prozess nahm vier Tage in Anspruch; zwei dieser Tage liefen bereits parallel zu technischen Proben für die Specials der Delegationen.

Direkt im Anschluss folgten vier Tage Proben mit Lichtdoubles. Ab diesem Zeitpunkt kamen Rückmeldungen der einzelnen Delegationen hinzu. „Dann war es so, dass die Main Programmer und der Weißlicht-Programmer die Proben betreuten, während mein Kollege und ich in der Visualisierung direkt Änderungen programmiert haben“, so Nikitser weiter. „Wir haben also sowohl auf der Visualisierung gearbeitet als auch am vollen System.“

Zusätzlich mussten auch die Interval Acts programmiert werden, teilweise unter Bedingungen, in denen Musik noch nicht final vorlag oder sich bis zum Pre-Programming noch änderte. Damit entstand ein kontinuierlich versetzter Arbeitsprozess: Anpassungen aus Proben, Kamerafeedback und kreativen Änderungswünschen konnten vorbereitet, überprüft und in die Showstruktur integriert werden.

 

grandMA3 als gemeinsames Arbeitsumfeld

Bei einer Produktion dieser Größenordnung entscheidet nicht allein die Leistungsfähigkeit des Lichtsteuerungssystems, sondern vor allem die Frage, ob mehrere Programmierer gleichzeitig konsistent, nachvollziehbar und schnell am selben Gesamtsystem arbeiten können. Für den ESC 2026 wurde das Showfile deshalb von Beginn an auf Teamarbeit ausgelegt.

Eine zentrale Rolle spielten dabei Datapools, Tags und Worlds der grandMA3 Software. Nikitser verweist insbesondere auf die Vorarbeit von Alex Mildenhall und Martin Higgins, die das Showfile in seiner Grundstruktur aufgebaut hatten: „Man hat sich sehr genau im Vorhinein überlegt, welche Daten man teilt und welche man separiert, um das gemeinsame Arbeiten an einem Song so effizient wie möglich zu halten.“

Basic Presets wurden geteilt, song-spezifische Inhalte wie Farben und Effekte lagen dagegen in separaten Datapools. Die Songs folgten einer einheitlichen Timecode-Struktur: Effektlicht Rigg A, Effektlicht Rigg B und Weißlicht. Gleichzeitig gab es einen klaren Rigg-Split, um den Arbeitsumfang zwischen zwei Programmierern möglichst gleichmäßig zu verteilen. Dieser Split orientierte sich nicht ausschließlich an Fixture-Typen, sondern auch an der architektonischen Logik des Riggs und an Bereichen, die ähnliche Effekte nutzten oder gestalterisch zusammengehörten.

„Diese Show ist wirklich perfektioniert bis ins allerkleinste Detail“, sagt Nikitser. „Das ist nur möglich durch wirklich intensive und gute Zusammenarbeit. Jeder muss sich diesen Workflow aneignen und verinnerlichen, sonst läuft einem die Zeit davon.“

 

Lichtsteuerung als skalierbare Infrastruktur

Entsprechend groß dimensioniert war auch die Lichtsteuerungsinfrastruktur. Am FOH standen sechs grandMA3 full-size zur Verfügung, ergänzt durch zwei weitere grandMA3 full-size für Pre-Viz. Hinzu kamen drei grandMA3 light als Roaming Stations, mit denen flexibel im Raum gearbeitet werden konnte.

Das Processing war zwischen Show- und Pre-Viz-Betrieb aufgeteilt: Für die Show kamen 28 grandMA3 processing unit L zum Einsatz, für Pre-Viz weitere neun grandMA3 processing unit M. Damit standen insgesamt 249.856 Parameter zur Verfügung, von denen 198.039 genutzt wurden.

Auch das Network- und DMX-Playout war auf die Dimension der Produktion ausgelegt. Die Verteilung basierte auf Luminex Switches und LumiNodes; insgesamt umfasste die Infrastruktur rund 69 Nodes und rund 25 Switches. Die Netzwerkstruktur führte Processing, Programmierung, Operating und DMX-/Netzwerk-Output in einer verzweigten grandMA3 Umgebung zusammen. Damit war die Lichtsteuerung nicht als einzelner FOH-Platz gedacht, sondern als skalierbares Gesamtsystem, das mehrere Arbeitsplätze, mobiles Arbeiten, Processing und Playout miteinander verband.

 

100 % Recipe-basierter Workflow

Ein zentraler Bestandteil des Workflows war die vollständig Recipe-basierte Programmierung. Der Vorteil liegt für Manfred Nikitser vor allem in der Nachvollziehbarkeit: „Recipes vereinfachen das Nachlesen, was in einem Effekt passiert, weil es klar dargestellt wird und man es nicht in einem Tracking Sheet nachverfolgen muss.“

Gerade in einer TV-Produktion mit permanenten Änderungen erwies sich dieser Ansatz als besonders hilfreich. Specials, die sich aufgrund von Kamerapositionen verschoben, konnten über angepasste Gruppen aktualisiert werden. Einzelne Bestandteile eines Recipes ließen sich deaktivieren, wenn sie störten, und bei Bedarf später wieder aktivieren, ohne dass der ursprüngliche Programmierstand verloren ging. „Man passt die Special Group an und der Look aktualisiert sich direkt“, sagt Nikitser. „Oder man deaktiviert im Recipe einzelne Dinge, weil sie stören. Wenn sich das später noch einmal ändert, kann man die Effekte einfach wieder einschalten, ohne sie neu programmieren zu müssen.“

 

XYZ Programming für komplexe Kameraperspektiven

Neben der Größe des Systems stellte auch das Bühnenbild besondere Anforderungen an die Programmierung. Das Handling komplexer Positionierungen wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Workflows.

„Das Einleuchten und Kreieren von Pan-/Tilt-Presets bei gerundeten Sets endet meist so, dass es aus der Position gut aussieht, aus der man gerade geschaut hat“, erklärt Nikitser. „Geht man zwei Schritte zur Seite, werden die Dinge aber windschief.“

Beim ESC 2026 kam erschwerend hinzu, dass es zahlreiche Scheinwerfer gab, die in allen drei Achsen schräg hingen. Der Mehraufwand für XYZ Programming zahlte sich deshalb aus: „Der Workflow ließ Looks aus allen Kamera-Achsen direkt gut aussehen, ohne zeitintensive Prüfungen.“

Für eine Show, die vollständig auf Kamera, Bildkomposition und internationale TV-Übertragung ausgelegt ist, wurde XYZ Programming damit zu einem wichtigen Werkzeug, um die gestalterische Präzision des Lichtdesigns praktisch beherrschbar zu machen.

 

Framegenau und trotzdem flexibel

Der Eurovision Song Contest lässt kaum Raum für Kompromisse. Timecode-Präzision, schnelle Änderungen und dramaturgische Flexibilität mussten gleichzeitig erreicht werden. „Es ist der ESC“, lacht Nikitser. „Hier werden keine Kompromisse gemacht.“

Änderungswünsche konnten sehr unterschiedlich ausfallen. Ein Steady Walk um eine Person herum ließ sich als Special programmieren und bei Bedarf wieder ausschalten, falls die Kamerafahrt entfiel. Wurde eine Performance dagegen von der Main Stage auf den Catwalk verschoben, mussten Inhalte direkt in der Haupt-Cuelist angepasst und Effekte in den Raum ergänzt werden. Auch hier war Struktur entscheidend: Part Cues und eine nachvollziehbare Programmierlogik halfen, ursprüngliche Zustände und spätere Ergänzungen sauber auseinanderzuhalten.

„Am Ende poliert man tatsächlich jeden Frame der Performance“, berichtet Nikitser. Je weniger sich grundlegende Abläufe im späteren Prozess noch verändern, desto sauberer und präziser kann das finale Ergebnis werden. Gleichzeitig muss das System jederzeit darauf vorbereitet sein, auf neue Anforderungen zu reagieren.

 

Martin MAC Viper XIP und MAC Encore Two im System

Neben dem grandMA3 Steuerungs- und Processing-System waren auch Scheinwerfer von Martin Professional Bestandteil des ESC-Lichtsystems. In der Showlight-Sektion kamen 80 Martin MAC Viper XIP zum Einsatz. Der outdoor-taugliche All-in-One-Nachfolger der Viper-Reihe diente als Allrounder im Rigg und war in einem Grid weit hinten auf der Bühne verbaut. Von dort aus erzeugten die Geräte ein voluminöses Lichtbild und wurden zugleich für Gobo-Looks eingesetzt. Möglich macht das eine eigens entwickelte Weißlicht-LED mit 760 W Leistung und 5.800 K Farbtemperatur, deren ausgewogener Rot-Anteil im Spektrum für beste Lichtqualität sorgt. Mit 28.000 Lumen Output, der sich beim Einsatz der Effekteinheiten durch Light-Recycling noch steigern lässt, bringt der MAC Viper XIP auch aus großer Entfernung die nötige Lichtleistung auf die Bühne und war damit die ideale Lösung für eine Bühnenshow dieser Größenordnung.

Für den Keylight-Bereich wurden zusätzlich 46 Martin MAC Encore Two eingesetzt. Bei der Auswahl der Geräte für diesen Bereich war vor allem die hohe Lichtqualität ausschlaggebend. Sie übernahmen insbesondere das Personenlicht im Green Room – einem Bereich, auf den sich die Kameras über fast zwei Stunden der Show immer wieder konzentrierten.

 

Teamwork als Voraussetzung

Für Manfred Nikitser veränderte die Produktion vor allem den Blick auf das Arbeiten im Team. 

„Das war eine Sache, der ich anfangs sehr skeptisch gegenüberstand, weil Leute meist unterschiedliche Wissensstände und Workflows haben“, sagt er. „Es hat sich gezeigt, dass man eine Show dieses Kalibers gemeinsam programmieren kann, wenn alle gewillt sind, die eigene gewohnte Arbeitsumgebung zu verlassen und sich auf eine gemeinsame Struktur einzulassen. Das ist ein sehr großer Schritt, weil sich Dinge ganz woanders befinden, als wenn man sonst alleine in seinem eigenen Showfile arbeitet. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber Voraussetzung, um im Team in diesem Tempo arbeiten zu können.“

Damit wurde der ESC 2026 in Wien nicht nur zu einer internationalen TV-Produktion mit enormer lichttechnischer Dimension, sondern auch zu einem Beispiel dafür, wie grandMA3 als Plattform für kollaborative, strukturierte und präzise Programmierung in hochskalierten und dynamischen Anwendungen eingesetzt werden kann.

 

 

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MA Lighting grandMA3 full-size

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Weitere Informationen:

Eurovision Song Contest 2026

Manfred Nikitser Show Lighting

Tim Routledge – Lighting & Production Design